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Tuusula/Finnland (AP) Bei einem blutigen Amoklauf an einer Schule in
Finnland hat ein 18-jähriger Schüler (Nickname Sturmgeist89) am Mittwoch acht Menschen erschossen,
darunter die Direktorin. Etwa zwölf Schüler und Lehrer wurden nach
Polizeiangaben verletzt, als sie aus dem Gebäude flüchten wollten. Der Täter
schoss sich in den Kopf und wurde lebensgefährlich verletzt ins Krankenhaus
gebracht. Das Massaker an der Jokela-Schule in Tuusula, 50 Kilometer
nördlich von Helsinki, soll er zuvor in einem Video auf der
Internetplattform YouTube angekündigt haben.

Sturmgeist89 - Abschiedsbrief

Ich weiß, dass niemand von euch weiß, wie mein Leben wirklich ist und ich bin nicht bereit, es euch zu sagen. Ich behalte meine Geheimnisse momentan für mich.

Ich werde – wie auch immer – das Bisschen erklären, was ich kann. Ich kann fühlen, wie mein Körper langsam und schmerzlich verrottet. Ich weiß, dass ich im Begriff bin zu sterben und dass ich es nicht aufhalten kann. Ich wünschte, ich wäre als jemand anders geboren. Ich hasse, wie ich bin und wie ich geboren wurde zu sein. Ich wusste, dass es meine Bestimmung ist, so zu sein, aber ich wehrte mich dagegen. Kurz: Ich hasse mich. Jeden Tag, wenn ich zur Schule gehe, sehe ich Menschen. Die meisten sind normal. Ich sehe sie, wie sie sich mit ihren Freunden und Freundinnen benehmen wie alberne Idioten.

Sie wissen nichts und sind glücklich. Eric Harris sagte einst „Unwissenheit ist ein Segen, ich schätze, das erklärt meine Depression.“ Damit hatte er Recht. Ich weiß so vieles, während die anderen gar nichts wissen. Dafür muss ich leiden. Soll ich Glück oder Wissen wählen?

Ich kenne die Antwort auf diese Frage immer noch nicht. Viele Dinge sind mir entglitten, weil ich bin, wer ich bin. Ich wollte so viel verändern. Ich wusste, dass ich dazu nicht im Stande sein würde und das machte mich wütend. Meine eigene brutale Überzeugung gemischt mit meiner Vergangenheit ist eine sehr tödliche Kombination. Ich hoffe noch immer auf jemanden, der mich rettet, obwohl ich weiß, dass niemand kommen wird. Nur die Zeit wird zeigen, was ich tun werde. Werde ich mich dafür entscheiden, zu töten?

Vielleicht. Wenn ich es tue, ist es nur eure eigene Schuld. Ihr habt mich geschaffen. Ihr habt mich dazu getrieben. Vielleicht werde ich Frieden finden und mein eigenes Leben leben. Das ist es, warum ich immer noch hier bin.

Vielleicht habe ich Hoffnung. Vielleicht auch nicht. Vielleicht spielt sich alles nur in meinem Kopf ab. Vielleicht bin ich ein Verrückter. Ich bin verrückt. Ich weiß, dass ich nicht normal bin.

Ich drehe durch. Manchmal kann ich damit wirklich nicht umgehen. Es ist schmerzvoll, zu leben. Es ist ebenso schmerzvoll, zu sterben. Werde ich bald sterben? Werdet ihr bald sterben? Vielleicht.

Wir sind alle nur Leichen. Wir warten darauf, zu sterben. Wir alle wollen in unserem Leben aus dem Vollen schöpfen. Das tun, was wir wollen. Es ist schwierig, dass zu tun, wenn man wie ich ist. Hart. Mein Leben ist nach wie vor unbestimmt. Alles kann mich warnen.

Ich bin ein Kartenhaus, das darauf wartet, umgestürzt zu werden. Wer wird mich umstürzen? Wer wird Geschichte ändern? Ich weiß, ich muss für meinen „Frieden“ arbeiten, aber werde ich es schaffen? Wenn nicht, dann seid ihr alle todgeweiht. Ich werde solange töten, bis ich zufrieden bin.

Ich werde nicht zögern. Ich werde berühmt sein und gleichzeitig verloren. Ich werde sterben müssen. Ich kam nur auf die Erde, um meinen Auftrag zu erfüllen. Werde ich meinen Job genießen? Ich hoffe es. Und ihr auch. 

 


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Die archetypische Welt der Computerspiele"Was wir überwunden haben, sind aber nur die Wortgespenster, nicht die seelischen Tatsachen, welche für die Entstehung der Götter verantwortlich waren. [...] Die Götter sind Krankheiten geworden. [...] Es ist nicht ganz gleichgültig, ob man etwas als eine 'Sucht' oder als einen 'Gott' bezeichnet. Einer Sucht zu dienen ist verwerflich und unwürdig, einem Gotte zu dienen dagegen, ist wegen der Unterwerfung unter ein höheres Unsichtbares und Geistiges bedeutend sinnvoller und zugleich aussichtsreicher [...] Wo der Gott nicht anerkannt wird, entsteht selbstische Sucht, und aus der Sucht wird die Krankheit." (C.G. Jung, GW 13, § 54, 55)„Computerspiele, vor allem die sogenannten Adventures, bei denen ja keineswegs alleine gespielt wird und bei denen manchmal mehr als eine Millionen Spieler (schätzungsweise 50 bis 60 Prozent davon sind Erwachsene) zusammen über das Internet spielen, bieten, neben ganz realistischen Szenarien auch eine unglaubliche Fülle an magischen, mythischen und phantastischen Kreationen, Märchenwelten und Symbolen. Kaum irgendwo in den für viele Menschen langweilig gewordenen "Alltagsräumen" finden sich heute solche Möglichkeiten, handelnd und gestaltend beteiligt zu sein an mythischen Abenteuern, an heroischen Kampf- und Bewährungssituationen, an der Eroberung neuer und geheimnisvoller Welten, magischer Gegenwelten, Unterwelten, Toten- und Himmelswelten.“(Annette Müller, Gefangen im Cyberspace)