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Die Welt eines Spielsüchtigen
WR Dortmund, 10.03.2008, Von Silke Rathert

Ein beängstigendes Bild der jugendlichen Lebenswirklichkeit zeichnet "World of Woyzeck", das neue Stück der Theaterwerkstatt des Westfalenkollegs - zu sehen im Theater im Depot.

Auf eigenen Wunsch der Schüler sollte ein Stück über Computer-Rollenspiele entstehen, das auch die Suchtgefahr behandelt. Online-Spiele wie "The World Of Warcraft" (dt. "Die Welt der Kriegskunst"), eine Parallelwelt, in der man seine Aggressionen ungehemmt ausleben kann. Für manche sind diese Spiele ein Frust-Ventil. Für andere, die sich in der Realität unterdrückt und alleingelassen vorkommen, werden sie zum Fluchtpunkt. Die Regisseure Mechthild Janssen und Klaus Pfeiffer erweiterten die Problematik um die Gedankenwelt jugendlicher Amokläufer.

Als Grundgerüst bot sich Büchners "Woyzeck" an: Der Perückenmacher, der Marie - die Frau, die er liebt - ersticht und durch diese Gewalttat aus dem Heer der Namenlosen zu Ansehen und einer Biografie gelangt. Die Texte über die Gefühle der Demütigung, Ausgrenzung und eigenen Bedeutungslosigkeit sind Abschiedbriefen der Amokläufer entnommen, die durch ihre Bluttaten in der letzten Zeit Schlagzeilen machten.

Dieser Textcollage hat Birgit Götz mit ihrer Choreographie eine ebenso eindringliche Bildcollage zur Seite gestellt. Kriegsspiel zum Frustabbau und die Realität fließen ineinander - dem Publikum wird die Welt eines Spielsüchtigen, der nicht mehr trennen kann, vor Augen geführt.

Eine unheimliche Energieleistung des Ensembles: Ob Kampf oder Liebesszene, Aggression bleibt von der ersten bis zur letzten Minute die treibende Kraft. Erneut ist der Theaterwerkstatt ein Stück gelungen, das für das Berliner Theatertreffen nominiert ist. Am Samstag war die Jury anwesend. "Ob wir zu den Festspielen eingeladen werden, wissen wir noch nicht. Aber sie haben uns zu dem Stück schon gratuliert", verrät Klaus Pfeiffer.